Schule möchte ein deutliches Zeichen gegen Rassismus setzen


Die Leimbachtalschule will Projektschule im Rahmen der bundesweiten Initiative “Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage” werden

„Wir sind Kinder dieser Welt, ob du gelb bist oder weiß, ob du rot bist oder schwarz“, sang der Kinderchor der 3. Klasse der Leimbachschule mit ihrer Lehrerin Anke Schmittinger in der Leimbachhalle Dielheim. Die ganze Schule mit ihren zehn Klassenstufen und 400 Schüler und Schülerinnen hatte sich eingefunden, um das „Kick-off“, den Auftakt zur „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ mitzugestalten und mitzuerleben. Bereits 2013 hatte die Schülermitverwaltung einen Anlauf genommen, um an diesem bundeweiten Projekt teilzunehmen. Es scheiterte aber daran, dass sie keinen über die Region hinaus bekannten „Paten“ aus Kunst, Politik, Medien oder Sport fand, der die Schüler dauerhaft in ihrem Engagement unterstützt. Im zweiten Anlauf gelang es 2015 den Handball-Bundesligisten „Rhein-Neckar-Löwen“ zu gewinnen, der bei der Veranstaltung durch den Schweden Kim Ekdahl Du Rietz und den in Dielheim wohnenden Marius Steinhauser vertreten waren.

„Wende dich gegen jede Art von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt“ ist das zentrale Anliegen des Projekts, an dem sich nach der anwesenden Landeskoordinatorin Leonie Füeß bereits 1800 Schulen und über eine Million Schüler beteiligen. Nach ihr setzen die jungen Menschen mit ihrer Beteiligung ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und alle Formen der Diskriminierung. „Sie haben den Mut, sich mit gesellschaftlichen Werten und Normen auseinanderzusetzen, sie zu hinterfragen und gegen Unrecht und menschenverachtende Einstellungen einzustehen.“

Stolz präsentierten die einzelnen Klassen die bereits in Angriff genommenen Projekte. Dazu gehörten Befragungen, Plakate, Fotomontagen, Filme, Power-Point Präsentationen, Recherchen über Flucht und Vertreibung und kleine Rollenspiele. Bei all diesen Aktivitäten wurde herausgearbeitet, dass Aussehen und Hautfarbe, Behinderung und Herkunft im Zusammenleben in und außerhalb der Schule keine Rolle spielen dürfen, dass Unterschiede das Leben sogar bunter machen, dass es viele Länder gibt, in denen es Kinder viel schlechter geht als denen in Deutschland und man die Augen nicht vor Rassismus und Diskriminierung verschließen darf. Rektor Patrick Merz wies bei der Moderation daraufhin, dass mit zunehmendem Alter die Schüler auch tiefer in die Materie eindrangen. Während sich die kleineren Schüler noch mit den Landesfarben, den Begrüßungsformeln und dem gemeinsamen Spielen beschäftigten, ging es bei den Älteren um die Flüchtlingssituation in Syrien, Mobbing unter Schülern, Schutz vor Aggression und Parteinahme bei Diskriminierung.

In Umfragen wurde auch festgestellt, dass in der Leimbachtal-Schule 25 Nationen vertreten sind und darüber hinaus sich auch noch viele weitere Schüler Elternteile und Großeltern haben, die schon vor längerer Zeit als Vertriebene, Flüchtlinge oder Arbeitssuchende nach Deutschland gekommen sind.

SMV und Schulleitung waren mit Recht stolz darauf, der Landeskoordinatorin Fueß mehr als 400 (90 Prozent) Unterschriften von Schülern, Lehrer und sonstiger Beschäftigter übergeben zu können. Sie hatten die Verpflichtung unterschrieben: „Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, uns zukünftig zu achten.“

Schulleiter und den beiden Schulsprecher Laura Schmidthäuser und Luca Gerads sorgten mit ihren Fragen dafür, dass „Jung und alt“ im Saal auch einiges Private von den beiden anwesenden Handballprofis erfuhren. Da war von Siegen und Niederlagen, von Verletzungen und Trainingsstress die Rede, aber auch davon, dass es beim Sport im Zusammenspiel keine Vorurteile in Bezug auf Herkunft oder Hautfarbe gäbe. Nach einem kleinen von den beiden Profis überwachten Wurftraining, ging es dann zum krönenden Abschluss ins Freie. Dort ließ jeder Schüler einen Luftballon mit seiner Adresse steigen. Im März würde man sich wieder treffen, um das Label als „Schule ohne Rassismus“ entgegennehmen, war von Merz zu erfahren, weitere Unterrichtsprojekte würden dann vorgestellt und von den „Rhein-Neckar-Löwen“ Preise an die Schüler vergeben, deren Ballone am weitesten von Dielheim entfernt gelandet sind.